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Willkommen bei Neandertalern

2. 12. 2016 - 1. 7. 2018

Eintritt: regulär 90 CZK, ermäßigt 45 CZK, Familie 225 CZK

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9-18 Uhr, Samstag und Sonntag 10-18 Uhr

Eine faszinierende Fähigkeit, in rauen Bedingungen des pleistozänen Europa zu überleben / Unsere Vorfahren in neuem Licht. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum Prag und dem Tatra-Museum Poprad.


Langjährige Forschungen zum Mittelpaläolithikum in Europa zeigen eindeutig, dass das Bild des mental beschränkten Neandertalers, der täglich fürs Überleben kämpft, falsch ist und wir unsere Stellungnahme wesentlich verändern müssen. Mittels der wichtigsten, vor allem aus dem Gebiet Mährens stammenden Funde zeigt die Ausstellung den Alltag der Neandertaler und ihre atemberaubende Fähigkeit, in rauen Bedingungen des pleistozänen Europa zu überleben. “Immer wieder stellen wir fest, dass diese Menschen eine ständige technologische, ökonomische und symbolische Entwicklung durchmachten, so dass am Ende des mittleren Paläolithikums ihr Benehmen durchaus mit dem der neu ankommenden anatomisch modernen Menschen vergleichbar war,” sagt der Ausstellungsautor Petr Neruda. Da die materielle Kultur der Neandertaler ziemlich einfach war und bis auf Ausnahmen  keine Schaustücke enthält, basiert die Ausstellung vor allem auf Modellen, Rekonstruktionen und audiovisuellen Elementen, die das Verhalten der Neandertaler dynamisch und interaktiv präsentieren.


Die Ausstellung ist in mehrere Sektionen gegliedert, wobei jede unikale Gegenstände oder interessante Exponate enthält.

Der erste Teil setzt die Neandertaler in den chronologischen und geographischen Kontext des sog. Mittelpaläolithikums ein. Es wird offensichtlich, dass sich die Neandertaler den verschiedensten extremen Klimabedingungen der Eis- und Zwischeneiszeiten perfekt anzupassen wussten. Trotz ihrer einfachen materiellen Kultur waren sie außerordentlich erfolgreiche Prädatoren ihrer Zeit.

Der zweite Teil stellt die Neandertaler im anthropologischen Kontext Europas vor. Der Besucher sollte sich eine Vorstellung darüber machen, wie sich die Neandertaler  entwickelten, wie sie aussahen, wie sich unsere Ansicht über ihre Anatomie veränderte und wie kompliziert der Prozess ihrer Anerkennung als selbständige Art des Menschen war. Die Dominante dieses Ausstellungsteils bildet ein realistisches Modell der ganzen Figur eines Neandertalers (Autor Ondřej Bílek), das aus Silikon hergestellt ist und strenge Kriterien der anthropologischen Rekonstruktion erfüllt. Außerdem wird hier die umfangreiche Sammlung von Abgüssen der Neandertaler aus ganz Europa vorgestellt und auch Kunstwerke  kommen zur Geltung, einschließlich der Bilder von Zdeněk Burian, die zugleich die Entwicklung zeichnerischer Interpretationen der Anatomie der Neandertaler dokumentieren. Originale  Reste der Neandertaler  aus dem Gebiet Mährens (Kůlna-Höhle, Švédův stůl-Höhle) und der Slowakei werden zum allerersten Mal gezeigt.

Im dritten Teil werden dem Besucher die jüngsten Erkenntnisse vorgestellt, die die Struktur der Neandertalerfundstellen betreffen. Es zeigte sich, dass die Neandertaler den Höhlenraum in verschiedene Funktionsteile gliederten und die Struktur ihrer Behausungen eigentlich jener sehr ähnlich war, welche die späteren anatomisch modernen Menschen hinterließen. Eine Spezialität dieses Ausstellungsteils stellen Drahtmodelle der Neandertaler dar (Autor Jakub Lipavský), sowie die Videos, die das gegebene Thema dynamisch gestalten.

Im vierten Ausstellungsteil macht sich der Besucher mit technologischen Fähigkeiten der Neandertaler bekannt. Sie werden durch Originalfunde aus mährischen und europäischen Fundstellen dokumentiert. Das Video präsentiert dynamische Verfahren, z.B. Spaltung und Anwendung steinerner Artefakte, die Distribution von Steinwerkzeugen usw.

Das fünfte Thema ist die Anschaffung der Nahrung, d.h. Jagd und Sammeln. Der Besucher lernt, dass die Neandertaler praktisch alle möglichen Nahrungsquellen nutzten; ihr Hauptziel war jedoch die Gewinnung von Fleisch großer Pflanzenfresser. Aufmerksamkeit wird vor allem der Art und Weise der Jagd gewidmet – die Neandertaler betrieben nämlich die Kontaktjagd, die besonders im Fall der Raubtiere oder Nashörner höchst riskant war.

Der letzte Ausstellungsteil widmet sich dem symbolischen und ästhetischen Empfinden der Neandertaler, was jene Verhaltensaspekte sind, die ihnen lange Zeit verweigert wurden. Der Besucher stellt fest, dass die Neandertaler den ästhetischen Wert von Steinwerkzeugen und Naturobjekten wahrnahmen. Außerdem entwickelten sie das symbolische Denken und soziale Empfinden, das vor allem in der Pflege der verwundeten und behinderten Mitglieder ihrer Gruppe zum Ausdruck kam.

Die Ausstellungsvorbereitung war außerordentlich anspruchsvoll, vor allem deshalb, weil sehr wenige Objekte materieller Kultur vorhanden sind, die gezeigt werden könnten, und darüber hinaus ist ihr visuelles Effekt minimal. Es wurde also ein spezifischer Raum – eine Höhlenimitation geschaffen, die dem Besucher mittels originaler Objekte, Kopien, Raummodelle und Videos die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse vermittelt. Die eingesetzten Videos ohne verbalen Kommentar erlauben dem Besucher jeder Nationalität den Inhalt ohne die Sprachkenntnis zu verstehen. Zugleich machen sie  Spaß und ihre graphische Gestaltung ist für die junge Generation und Kinder geeignet (Animation).

Die Ausstellung wird mit dem Buch Zeit der Neandertaler in englischer und tschechischer Version begleitet. Es bietet dem Leser eine Übersicht von wichtigen Informationen, die bisher über unsere Vorfahren zusammengetragen werden konnten.

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