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Jolana Havelková, Lucie Vítková / Der Ton des Bildes

25. 9. - 8. 11. 2015

 

In ihrer Arbeit bewegt sich Jolana Havelková an der Grenze verschiedener Medien. Ihr visuell-akustisches Projekt mit dem Titel Vorschlag der Partiturveränderung entstand durch die Transformation eingescanter Notationen von František Kmoch (1848-1912), dem Komponisten von Märschen aus Kolín, welche von der tschechischen Volksmusik herausgehen. Jolana Havelková sammelt diese Partituren und arbeitet sie seit 2005 in Bilder um, wodurch sie auch ihre mögliche Musikinterpretation ändert. Von den ursprünglichen eingescanten Partituren entstehen graphische Drucke und Fotogramme mit veränderter Notation. Die geschichtete Struktur der Partituren geht von der geometrischen Morphologie heraus.

Der visuellen Transformation folgte die musikalische nach. Im Jahre 2010 lud Jolana Havelková zur Zusammenarbeit die Akkordeonistin und Komponistin Lucie Vítková ein, um ausgewählte Partituren zu interpretieren. Gemeinsam arbeiteten sie dann mehr als ein Jahr lang an Tonaufnahmen. Es sind eigentlich Autoren-Tonstücke der beiden Künstlerinnen. Jolana Havelková bereitete die Konzeption des ganzen Projekts vor und lokalisierte  die Interpretation in mehrere Standorte in Kolín und Umgebung, wo František Kmoch tätig gewesen war. Sie kam auch auf die Idee, akustische Gegenstände und Instrumente zu nutzen, die direkt in diesen Räumlichkeiten situiert sind. Ihre Regie beeinflusste die Tonaufnahmen sowie die das Ergebnis des ganzen Projekts. Die Tonaufnahmen sind im großen Maße durch das Milieu und die Schalle der Umgebung beeinflusst, es geht um eine Art von Musiktopographie. Die Autorinnen beschränkten sich nicht auf solche Musikinstrumente wie Akkordeon, Blasharmonika, Pauke, Klavier und Orgel, sondern arbeiten auch mit Nicht-Tönen. Alle Tonstücke sind vom statischen Charakter, wenn auch mit reichem innerem Inhalt, genauso wie die Partituren. 

Als Output des Projekts entstand im Jahre 2013 das gleichnamige CD mit 18 Tonstücken. Eine detailliertere Beschreibung des Projekts ist der CD-Broschüre oder der Webseite www.jolanahavelkova.com  zu entnehmen.

An dem zweiten Projekt begann Jolana Havelkovámit Lucie Vítková in einer Zeit zusammenzuarbeiten, wenn sich Lucie mit kurzen Kompositionen (Short Form Pieces) befasste. Schwarzweiße Fotos mit dem Titel Erstes Schlittschuhlaufen, die an minimalistische Zeichnungen  erinnern (Schlittschuhspuren  im frischen Schnee) wurden zu Partituren – Vorlagen für diese Tonstücke, die einige wenige Sekunden dauern. 

Beim Komponieren geht Lucie Vítková so vor, dass sie eine Fotografie wählt und ihr ein Musikinstrument zuordnet. Dieses Instrument spielt sie dann auf eine im Voraus gegebene Weise oder erklärt die Problematik dem Interpreten. Einzelne Tonelemente werden linear nacheinander aufgenommen und im Computer werden sie in das endgültige Tonbild geschichtet. Es geht nicht nur um das Gefühl, das die Bilder hervorrufen, Vítková ist bemüht, verschiedene Impulse beim visuellen und akustischen Wahrnehmen zu verknüpfen. Z.B. die Richtung der Linien bildet ein Panorama, wo der Ton von einem Lautsprecher in den anderen übergeht. Den Tonumfang nimmt sie vertikal wahr und das Instrument gleitet darauf im Glissando je nachdem, wo sich die Linie befindet. In Musik spielen auch der Charakter der Linien, ihre Rauheit oder Feinheit ihre Rolle. Die Länge der Tonstücke entspricht meistens der Zahl der Elemente auf dem Bild. 

In der Ausstellung wird nur eine Auswahl aus den beiden Projekten vorgestellt. 

 

Bildergalerie

 
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