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100. Gründungsjahr der selbständigen Tschechoslowakei

Palais Dietrichstein, 19. 10. 2018 - 30. 6. 2019

Das Mährische Landesmuseum beteiligt sich an dem Interregierungsprojekt der Tschechischen und der Slowakischen Republik mit dem Namen "Ein gemeinsames Jahrhundert". Anlässlich dieses bedeutsamen Jubiläums werden drei Ausstellungsprojekte vorbereitet. Die Ausstellung des Historische Abteilung wird tschecho-slowakische Beziehungen auf dem Hintergrund des Wegs zum selbständigen Staat zeigen. Die Ausstellung des Ethnographischen Instituts thematisiert die traditionelle Kultur in der Rolle des politischen Symbols. Und die Abteilung für Geschichte der antitotalitären Kultur wird an ein weiteres "Nr. 8"- Jahrestag, nämlich jenen von 1968 erinnern.

Die Ausstellungen werden mit einem interessanten Programm begleitet werden, das Workshops, Filme, Vorlesungen und kommentierte Führungen einbeziehen wird.

Wie sie sich kennenlernten: mährisch-slowakische Beziehungen in den Jahren 1848 - 1919

Historische und kulturelle Bindungen von Mähren und der Slowakei seit gemeinsamen Wurzeln zur Zeit Großmährens, nachfolgende unterschiedliche staatsrechtliche Entwicklung, politische, militärische, religiöse, arbeitsbezogene und kulturelle Gemeinsamkeiten, Migration der Bevölkerung. Nachdruck wird auf die Zeitspanne von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts gelegt, wenn gemeinsame Bindungen gefördert wurden und zur nationalen Annäherung und schließlich zur Herausbildung eines gemeinsamen Staates führten.


Erörtert werden Ereignisse der revolutionären Jahre 1848/1849, wenn von Mähren aus Gruppen slowakischer Freiwilliger in die Slowakei aufbrachen, um gegen Ungarn zu kämpfen, Bindungen vornehmer slowakischer Persönlichkeiten auf das tschechische Milieu und umgekehrt der Tschechen auf die Slowakei, der immer stärker werdende Strom slowakischer Jugendlicher nach Mähren zwecks der Bildung nach der Auflösung slowakische Gymnasien, die Betätigung bedeutender slowakischer Persönlichkeiten in Mähren und umgekehrt der Tschechen in der Slowakei und allgemein die Bewegung und Austausch von Menschen, Sachen und Gedanken, die in wachsendem Maße an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zustande kamen, seien es Persönlichkeiten aus dem Bereich der Kultur, Kunst, Literatur oder Musik.

Diese Bewegung hatte auch eine politische und ökonomische Dimension - das tschechische Kapital setzte sich in der Slowakei durch. Dies alles spielte sich in jeweils anderem Prozess der Gestaltung der nationalen Identität der tschechischen und slowakischen Nation ab, der dann in Ideen und Tendenzen zur Gründung eines gemeinsamen Staates - der Tschechoslowakischen Republik mündete. Erinnert wird auch an Aktionen des ausländischen Widerstands, die Erklärung des gemeinsamen Staates, den Prozess der allmählichen Besetzung und des Anschlusses der Slowakei unter der Teilnahme der tschechoslowakischen Freiwilligen und des Heeres. Andeutungsweise wird auch die weitere Entwicklung in dem gemeinsamen Staat erörtert.

Traditionelle Volkskultur - Schaufenster des Staates - dankbares Symbol der Nation

Die zweite Ausstellung, die durch das Ethnographische Institut des Mährischen Landesmuseums vorbereitet wird, zeigt die Widerspiegelung der traditionellen Kultur im Leben der Gesellschaft nach 1918, wenn ihre Ausdrücke als Symbole der politischen Repräsentation verwendet werden (z. B. folkloristische Kleidung, "Kult" von T. G. Masaryk, Werbegraphik der 50er - 70er Jahre).

Die europäische Ethnologie widmet große Aufmerksamkeit der Problematik der Herausbildung von Nationalmythen und -symbolen. Einige Ausdrücke der traditionellen Volkskultur wie z. B. Tracht oder Architektur wurden dank ihrer klaren Botschaft sogar erhoben. In Form von Paaren in Volkstrachten, die bedeutende Staatsbesuche bewillkommnen, gehören sie zum Arsenal  der Nationalrepräsentation auch heute. Nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik kamen Bemühungen zum Ausdruck, die Eigenartigkeit des jungen Staates nachzuweisen. Besonders in den 1920er Jahren setzte sich in der bildenden Kunst  die Inspiration durch Volkskunst durch, die zur Herausbildung eines spezifischen folkloristischen Stils führte. Folklorismus wurde als Ausdruck der Eigenartigkeit des nationalen Charakters verstanden, er erlaubte es, patriotische Gefühle mittels der Kleidung zum Ausdruck zu bringen und war besonders durch Stickereien und Ornamente geprägt. Gegenstände aus dem Bereich der traditionellen Kultur erhielten eine neue - politische Dimension (Plakate zu öffentlichen Veranstaltungen, Banknoten, Form von Gesellschaftsfeiern).

August 1968 unter geschichtlichen Achten

Die Abteilung für Geschichte der antitotalitären Kultur in Zusammenarbeit mit der Historischen Abteilung des Mährischen Landesmuseums beteiligt sich an Feierlichkeiten anlässlich des 100. Gründungstags der selbständigen Tschechoslowakei mit der Ausstellung "August 1968 unter geschichtlichen Achten". Das Hauptthema ist der 50. Jahrestag der Okkupation der Tschechoslowakei durch die Truppen des Warschauer Paktes und deren historische Folgen. Authentische Fotografien aus dem besetzten Brünn werden durch zeitgenössische Drucksachen und Amateur-Filmaufnahmen aus dem 21. August 1968 ergänzt, die Prof. Clemens Cording aus Regensburg gedreht hat. In der Ausstellung werden ebenfalls Gegenstände präsentiert, die die regimefeindliche Publikationsaktivität nach 1968 im Land und Exil belegen. August 1968 ist jedoch nur eines der Umbruchsereignisse der modernen tschechischen Geschichte. In Texten, Fotografien und Kopien von Archivdokumenten wird daher auch auf wichtige Ereignisse weiterer "Acht-Jahre" des 20. Jahrhunderts erinnert.

 

Schirmherrschaft über den Ausstellungen anlässlich des 100. Gründungsjahrs der Tschechoslowakischen Republik übernahmen der Präsident der Tschechischen Republik Miloš Zeman, der Landeshauptmann von Südmähren JUDr. Bohumil Šimek, der Bürgermeister der Stadt Brünn Ing. Petr Vokřál, der Vorsitzende des Verfassungsgerichts JUDr. Pavel Rychetský, der Vorsitzende den Obersten Gerichts Prof. Pavel Šámal, der Vorsitzende des Amts für Schutz des wirtschaftlichen Wettbewerbs Ing. Petr Rafaj und der Vorsitzende des Obersten Verwaltungsgerichts JUDr. Josef Baxa.

 

             

 

 
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